Gewalt in der Hundeerziehung – so findest du Wege raus aus deinen Verhaltensmustern


Bevor ich inhaltlich einsteige, lass‘ mich dir noch eine Sache sagen: Jeder Mensch macht Fehler. Ich bin davon überzeugt: Wenn du mit deinem Hund gewaltsam umgegangen bist, dann hattest du deine Gründe. Aber bleibe bitte nicht stehen bei deinen Selbstvorwürfen, womöglich sogar Selbstabwertungen. Denn sie helfen weder dir – noch deinem Hund.


Der erste Schritt ist also die Eingeständnis, und damit einhergehend das Aushalten von Schamgefühlen. Wie bereits im ersten Teil geschrieben, können Schamgefühle einen starken Einfluss auf unser Selbstwertgefühl haben. Übe dich an dieser Stelle in Selbstmitgefühl. Denn Selbstmitgefühl und Mitgefühl für Andere bedingen sich gegenseitig! Was genau bedeutet also Selbstmitgefühl? Bitte verwechsle es nicht mit Selbstmitleid: Es geht nicht darum, sich in seinem Leid zu wälzen und sich nur um sich selbst zu drehen, ohne das Leid anderer wahrzunehmen. Selbstmitgefühl hingegen bedeutet, dass du dir mit demselben Respekt, derselben Fürsorge und derselben Güte begegnest, wie du deinen liebsten Menschen – und deinem Hund – begegnen möchtest. Es bedeutet auch nicht, dass es dir dann sofort wieder gut geht und du wieder funktionieren kannst – es bedeutet lediglich, dass du anerkennst, dass du nicht perfekt bist und Fehler machen darfst.

Als nächstes ist deine Selbstreflexion gefragt: Wann, warum und wie reißt dein Geduldsfaden, sodass du deinem Hund gegenüber unfair wirst und Druck ausübst? Welche Faktoren stressen und belasten dich so stark, dass du in dein Verhaltensmuster fällst? Was für Bewältigungsstrategien hast du, um mit deinen persönlichen Stressoren umzugehen – und sind diese Strategien hilfreich? Was du vermutlich brauchst, ist einerseits mehr Wissen: Denn Wissen macht handlungsfähig und hilft dir, zu verstehen warum sich dein Hund verhält wie er sich verhält und welche Bedürfnisse und Emotionen ihn leiten. Du erinnerst dich sicherlich an den Satz aus dem ersten Artikel: Dein Hund tut nichts gegen dich, sondern er tut die Dinge für sich! Außerdem hilft es dir, zu verstehen, welche Prozesse in dir wiederum deine Empfindungen, deine Gefühle und  dein Verhalten steuern. Andererseits reicht es nicht, solche Dinge nur rational zu greifen und zu reflektieren. Auch die emotionale Seite, eine tiefergehende Beleuchtung eurer Beziehung ist wichtig. Häufig ist es wichtig, nicht nur zu verstehen, sondern auch zu fühlen, was dich bewegt, warum es so ist und wie du es heute anders lösen kannst. Es ist schließlich deine individuelle, persönliche Geschichte.

An dieser Stelle möchte ich dir einen klaren Impuls geben: Hol dir Unterstützung. Du musst nicht alles allein hinkriegen, du musst dich nicht „nur mal ein bisschen zusammenreißen“ und das „irgendwie kapieren“. Wenn ihr beide, du und dein Hund, feststeckt in Schwierigkeiten, dann erlaube euch einen professionellen Blick von außen. Sei es, dass du dir eine:n Hundetrainer:in suchst, die wertschätzend, gewaltfrei und bedürfnisorientiert arbeite. Oder sei es psychologische Unterstützung in Form von Beratung, Coaching oder Therapie. Natürlich kannst du auch von mir Unterstützung bekommen – sehr viele Themen können wir übrigens auch wunderbar online bearbeiten.

All dies kann dir dabei helfen, eine Art Frühwarnsystem aufzubauen: Welche Anzeichen bemerkst du bei dir, bevor du laut, unfair oder sogar gewaltsam wirst? Was passiert, bevor du quasi überkochst? Damit wir uns nicht falsch verstehen: Jeder Mensch hat mal einen schlechten Tag und reagiert gereizt und ist dann etwas drüber – das ist nicht schön, aber auch das passiert mal. Ich spreche hier wirklich von den Situationen, in denen du aus deiner Überforderung heraus mit Strafen und Gewalt agierst.

Achte auf die Kleinigkeiten im Alltag: Ab wann fehlen dir die Ressourcen, um deine Emotionen zu regulieren und fair mit deinem Hund – und dir – zu bleiben? Im Alltag kannst du bereits viele kleine Stellschrauben drehen, um bereits deutliche Veränderungen zu erleben. Ein besonders wichtiger Aspekt ist hierbei auch die Selbstfürsorge: Achte und respektiere deine Grundbedürfnisse. Denn ausreichend Schlaf, Erholung, gesundes Essen und soziale Kontakte sind elementar, damit es dir gut geht.

Vielleicht hast du dich beim Lesen dieses Blogartikels gefragt, warum ich mich so sehr auf den Menschen konzentriere. Schließlich leidet dein Hund doch ganz besonders, wenn deine Zündschnur zu kurz ist. Die Sache ist die: Bevor dein Hund sein Verhalten verändern und lernen kann, ist er darauf angewiesen, dass du dein Verhalten veränderst und neue Wege entdeckst.

In diesem Sinne: Lasst euch nicht aufhalten und habt viel Freude miteinander bei eurer gemeinsamen Entwicklung!

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