Mindset in Hundebegegnungen

Hundebegegnungen – sie sind eines der häufigsten Themen im Alltag von Hundetrainer:innen. Viele Hunde, und teilweise auch Menschen, haben keine Lust, immer und überall und ständig jeden fremden Hund kennenzulernen. Es werden aber zunehmend mehr Hunde aufgenommen (was ich gut verstehen kann!) – aber auf Dauer wird es keine Lösung sein, permanent im Regen oder im Dunkeln spazieren zu gehen oder an entlegene Orte zu fahren, um solche Begegnungen zu vermeiden.

Oftmals erlebe ich bei den Ansätzen dann zwei Extreme:
Übrigens, ich polarisiere an dieser Stelle bewusst, mir ist aber natürlich klar, dass es noch viele Wege dazwischen gibt. Allerdings habe ich häufig den Eindruck, dass das Thema Hundebegegnungen in zwei Extremen auftritt: Entweder wird jeglicher Fremdhundekontakt gemieden und der fremde Hund wird teils sehr rabiat weggeschickt, abgeblockt und verjagt. Oder aber man lässt munter Hunde ineinander reindonnern, ungeachtet dessen, ob wirklich alle beteiligten Hunde diesen Kontakt wollen. Wenn es knallt, machen die das halt unter sich aus, sind ja nur Hunde…

So, und dann kommt Hundetraining und Erziehung. Darüber kann wirklich so wahnsinnig viel erreicht werden, wenn der Mensch es schafft, fair, liebevoll und strukturiert mit seinem Hund zu arbeiten. Aber ein Hund kann (und sollte!) niemals in seiner Persönlichkeit und in seinen Bedürfnissen mal eben auf links gekrempelt werden. Das heißt beispielsweise, ein territoral veranlagter Hund wird ab einem gewissen Alter häufig kein großes Bedürfnis danach verspüren, jeden fremden Hund unterwegs kennenzulernen. Und das ist ein natürliches Verhalten, auf das du als Halter:innen Rücksicht nehmen solltest. Und du darfst natürlich deinen Hund schützen.

An dieser Stelle möchte ich dich dafür sensibilisieren, WIE du das tust, also mit welcher Haltung und mit welchem Mindset du selbst in die Hundebegegnungen gehst. Bei mir sah das früher übrigens so aus: Ich habe mit Keno einen sehr territorialen und ernsthaften Hund an meiner Seite, der gleichzeitig mit seinen schmerzhaften Arthrosen in schlechten Phasen sehr ungehalten reagieren konnte, wenn ein Hund unhöflich in ihn reingerannt ist. Ich hatte mir auf die Fahne geschrieben, meinen Hund jederzeit zu beschützen, was dazu führte, dass ich JEDEN Hund, der Kontakt aufnehmen wollte, abgeblockt habe. Drei Probleme hatte ich mir dadurch selbst geschaffen:

  1. Ich ging verdammt gestresst, fast schon schlecht gelaunt mit meinem Hund raus. Denn unser Gehirn ist evolutionspsychologisch bedingt ein Meister darin, sich negative Erlebnisse besonders stark einzuprägen. All die netten, respektvollen Begegnungen fielen kaum noch ins Gewicht, weil ich nur darauf wartete, dass der nächste Hund angerollt kommt. Ich sah also überall nur noch die rücksichtslosen Menschen mit ihren unhöflichen Hunden und hatte keinen Blick mehr für die tollen Begegnungen.
  2. Wenn es mir nicht gelang, einen Hund zu verscheuchen, machte ich mir noch tage-, ach was, wochenlang Selbstvorwürfe, dass ich nicht „richtig“ für meinen Hund eingestanden habe und dass sein Vertrauen in mich nun schrumpfen würde.
  3. Mein Hund ging übrigens nach kurzer Zeit ebenfalls sehr schlecht gelaunt mit mir raus… Das Phänomen der Stimmungsübertragung hatte hier seine Finger im Spiel. Außerdem war es für ihn auch ganz schön unangenehm, dass ich durch meine eigene Energie und Handlung noch mehr Anspannung in die Begegnungen brachte. Und im Sinne des Vorbildverhaltens im Kontext des sozialen Lernens brachte ich ihm im Grunde genau das bei: Pöbeln im Duett. Wie sollte er so lernen, ein flexibles Verhaltensrepertoire anzulegen und gelassen zu bleiben?

Kennst du das so oder ähnlich? Spaß und Freude ist das nicht, oder?
Aber was ist die Lösung? Ungestüme Hunde reinrennen lassen und die möglichen Schmerzen bei meinem Hund in Kauf nehmen? Niemals!

Also habe ich folgende Dinge getan:

  1. Im Rahmen meiner Weiterbildung zur Hundeerziehungsberaterin habe ich begonnen, mich intensiv mit der Körpersprache von Hunden auseinanderzusetzen. Ich beobachte also fremde Hunde, die uns begegnen, sehr genau: Wie bewegen sie sich, wie ist ihre Dynamik und ihr Tempo, was kommunizieren sie, was könnte ihre mögliche Motivation zur Kontaktaufnahme sein und wie verhält sich der dazugehörige Mensch? Schließlich gibt es durchaus sehr entspannte, souveräne und respektvolle Hunde.
  2. Ich spreche die Menschen zeitgleich an und sage, dass wir keinen Kontakt wünschen. Ich bleibe dabei freundlich und gehe grundsätzlich vom Guten aus. Auf Diskussionen und schräge Sprüche steige ich einfach nicht ein – ich bin nicht draußen, um zu streiten und ich bin auch nicht dafür zuständig, erwachsene Menschen zu erziehen oder gar zu maßregeln.
  3. Sollten die Menschen nicht reagieren wollen oder ihr Hund ist nicht abrufbar, weiß ich durch meine Beobachtungen bereits, in welcher Stimmung sich der andere Hund nähert. Nähert sich ein Hund beispielsweise zwar distanzlos, aber freundlich, dann spreche ich den fremden Hund vorher freundlich an und splitte leicht, indem ich einen kleinen weichen Bogen vor meinem Hund laufe, den Körper aber von beiden Hunden abgewandt. So bremse ich das Tempo des anderen um zu verhindern, dass der Hund körperlich in meinen Hund reinspringt, bedrohe aber keinen der Hunde.
  4. Mit Keno habe ich wiederum intensiv daran gearbeitet, dass Hundebegegnungen etwas Schönes sind: Wann immer wir einen Hund sehen, passiert etwas Gutes, was ihm Freude bereitet. Außerdem leite ich ihn auch in ungeplanten Hundekontakten an, indem ich ihm mittels meines Markerwortes die Rückmeldung gebe, welche seiner Strategien und Verhaltensweisen auch für ihn hilfreich sind. Denn er muss definitiv nicht alle Hunde mögen, kann so aber lernen, seine Abgrenzung souveräner zu kommunizieren.
  5. Ich blocke nur Hunde, die definitiv mit Beschädigungsabsichten auf uns zustürmen – wenn ich sie ich nicht mehr umlenken kann und auch eine geordnete Flucht keine Option mehr ist.

Das ist KEIN Allheilmittel und unvorhergesehene Dinge können immer passieren. Vielleicht magst du dir in den folgenden Tagen mal aufschreiben, wie viele tolle Begegnungen ihr Beide habt?

Ich wünsche euch schöne Spaziergänge und wundervolle Erlebnisse auf euren Touren!

(Bild: Foto von Sebastian Coman Travel von Pexels)

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